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Sie lag in einem Keller, da wo Dinslaken, Oberhausen und Kirchellen sich küssen. Von Dinslaken aus gesehen handelte es sich sozusagen um einen nordrhein-westfälischen Zungenkuss. Sie lag trocken und gut be-leuchtet unter zehn mal hundert Watt. Kein Dreck, kein Gerümpel um sie herum, alles von steriler Ordnung dominiert. Nichts Luxuriöses, Gott bewahre, nein. Sie war einfach von Standards umgeben, Pflegestandards. Weißes überall, beruhigend und unerbittlich. Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: Sie war keine Prostituierte, die einen Krankenhausfetischfreier schlecht bedient hatte. Nein, nein. Sie war Lehrerin. Lehrerin für Pflegeberufe. Wenn sie sich noch hätte um etwas sorgen können, hätte diese Sorge einer - ohnehin nicht drohenden - Gefahr durch Mäuse oder Ratten gegolten, sie hätte sich mit Schamgefühlen geplagt, mit Gedanken an die Ungehörigkeit der Situation, mit Vermutungen über Häme, mit der ihre Lage vielleicht beäugt würde. So aber, tot und still und gedankenleer, grübelte sie nicht, schämte sich nicht und hatte auch keine Chance mehr, sich Sorgen zu machen um ihr Make-up oder darüber, ob die Haare liegen. Zugegeben, auf ihrem buchstäblich leichenblassen Gesicht wurde ihr Hang zum großzügigen Gebrauch von 'Winter'-Make-up brutal sichtbar. Sie hätte - im Tod wie im Leben - Herbsttöne verwenden sollen, die den weichen Kontrasten in ihrem Gesicht geschmeichelt hätten. So aber war schwer zu sagen, wem sie ähnlicher sah, Akrobat Schön oder Barbies älterer Schwester.... Eine unabhängige Jury hätte - schon wegen des aufwendig gestylten Drei-Wetter-Taft-Kopfputzes vermutlich gegen Akrobat Schön votiert. So eine Hartfaser-Frisur, das ist etwas, wofür man eine Schreinerlehre braucht, keine Ausbildung zum Friseur. Man würde den Bestatter briefen müssen, dass der Schminkkoffer der Toten für ihn tabu sein sollte, absolut tabu.... |
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